Neuigkeiten…

Ein herzliches Vanakkam an alle, die noch oder wieder dabei sind, inzwischen aus Wien,

Es gibt viel zu berichten über die Spendenaktion, neues Verständnis über die indische Gesellschaft, meinen Freiwilligendienst und ein bisschen was bei mir persönlich alles passiert ist…

Spendenaktion

Zunächst einmal zu der Spendenaktion, die ich etwa im Juli begonnen hatte und sich durch meinen sehr vollen Corona Sommer zog. Als ich im frühen Sommer Samira, meine Vorfreiwillige, in Würzburg besuchte, stieß ich auf das wunderschöne Plakat „Thousands of candles“ von zenpencils an ihrer Tür. Und kam irgendwie darauf, es selber zu malen, aber in schwarz weiß und die Kopien gegen Spenden anzubieten. (Ich habe vom Künstler auch die Erlaubnis dazu bekommen)

Rückblickend bin ich sehr froh was daraus geworden ist und möchte einmal ausdrücklich Danke sagen an alle, die mich dabei unterstützt haben und dazu beigetragen haben, dass ich jetzt letzte Woche eine Summe von 1100€ an die Chennai Provinz der Jesuiten überweisen konnte, welches ausschließlich in die Mitfinanzierung von den Schulkosten der Mädchen in der Loyola Higher Secondary School geht. Vor allem danke an Luis, der mich beim Druck und digitalen Krims Krams sehr unterstützt und an alle anderen, die davon erzählt auch eines der Plakate gekauft haben.

Es wird jetzt so ablaufen, dass das wenn die Schulkinder, deren Unterricht aktuell auch ausschließlich online stattfindet, die jährlichen Schulkosten zahlen müssen und nicht zahlen können, das Geld als gesammelte Unterstützung eingreift und dabei primär für Mädchen.

So können wir zum einen mehr Mädchen unterstützen und zum anderen ist es etwas fairer, weil sie das übernehmen, was sie auch selbst zahlen können.

Nochmal zur Übersicht: Kinder der 6.-8.Klasse zahlen für ein Jahr 4000 Rupees (45€), 9./10. Klasse 6000 Rupees (68€) und 11./12. Klasse 7000 Rupees (80€). Der Plan ist jetzt, mit dem Geld 32 Mädchen unterstützen mit einem Betrag von 3000 Rupees (35€) unabhängig von ihrer Altersstufe. Das ist fast eine indische Schulklasse!

Einfach nochmal um meine Motivation zu schildern: Die Loyola Higher Secondary School ist eine von mehreren Schulen der Chennai Provinz und liegt in einem Gebiet, in dem einfach eine relativ arme Bevölkerung lebt, die vorwiegend Dalits sind. Viele dort können nicht lesen und schreiben und so wachsen auch die Kinder auf mit wenigen Chancen aus diesem Teufelskreis herauszukommen. Die hinduistische Tradition des Kastensystems ist außerdem eine noch immer unterschwellig bestehende Form der Gesellschaftsordnung, die strukturell die unteren Kasten diskriminiert, da diese weniger Rechte haben, und auch unterdrückt und diese in ihre von Geburt an vorgeschriebenen Berufe drängt. Mädchen haben es zusätzlich schwerer. Sie haben weniger Rechte, vor allem in den Dörfern und somit auch weniger Chancen auf eine gute Bildung. Und Bildung ist fast der einzige Weg, dass sich was an der Situation ändert, da die hindu-nationalistische Regierung nicht daran interessiert ist, sich für Minderheiten und benachteiligte Gruppen einzusetzen, da sie dieses System aufrecht erhalten will.

Vielleicht hat es auch der ein oder andere mitbekommen, aber ich habe ja zu studieren begonnen und zwar abgesehen von Philosophie auch Sprachen und Kulturen Südasiens und Tibets, lerne jetzt Hindi und habe dadurch schon jetzt einiges erfahren, was meinen Blick auf die indische Gesellschaft deutlich verändert hat, besonders da ich auch einige Dinge selbst mitbekommen habe.

Im Hintergrund…

Wenn sich jemand erinnert, ich habe glaube ich mal erzählt, dass man mir mit einer Scheu und Schüchternheit begegnete, die ich zunächst als Desinteresse und Zurückhaltung gedeutet habe. In einer „Disseration about caste“ die mir der Philosophie Professor Anand Amaladass geschickt hat, habe ich selber dann einiges darüber dazu gelernt.

Dalits oder auch „scheduled castes“ genannt stehen ja außerhalb des Kastensystems und erben mit der Geburt schon eine schwere Bürde und eben auch die „Drecksjobs“ der Gesellschaft. Um ein Beispiel zu geben… Die Toilettenkultur in Indien ist ja etwas anders als in westlichen Ländern. „Western Toilets“ findet man nur in Hotels oder sind extra hergerichtet, wie auch in meinem Zimmer. Nun gibt es viele Stehklos, die kennt man aus dem Frankreich-Camping Urlaub, aber eben auch sogenannte „Dry Toilets“. Das sind Toiletten, die keinen Abfluss haben und sie sind trotzdem sauber!

Und obwohl es eine Literaturform von „megical realism“ gibt in Indien mit Autoren wie Salman Rushdie, gibt es keine Magie, die Toiletten sauber machen. Sondern das ist der Job der untersten der Untersten. Dalits, die innerhalb der Dalits ausgestoßen werden, weil sie durch ihren Job „Unrein“ sind und „Untouchable“. Diese Kaste der „manual scavengers“, also manuellen Handreiniger gibt es in ganz Indien, bekannt unter unterschiedlichen Namen, wie „Chura“, „Madigas“, „Pariah“ oder ihrem selbstgegebenen Namen „Safai Karmaris“.

Wenn ihr euch immer noch nicht vorstellen könnt, wie genau diese Arbeit aussieht, empfehle ich euch „manual scavenging“ zu googeln, bzw. ich empfehle es so oder so, einfach für „awereness“, also dass man da Bescheid weiß, was es alles gibt für Grausamkeiten jenseits unseres Horizontes.

„In India, a man is not a scavenger because of his work. He is a scavenger because of his birth irrespective of the question whether he does scavenging or not.”, sagte Dr B.R. Ambedkar

ein sehr berühmter Dalit Aktivist, der auch die indische Verfassung mitgeschrieben hat und meint damit, dass eben die Diskriminierung unabhängig von dem Job allein ist, sondern sich auf alle Zugehörigen der Kaste bezieht.

Diese Menschen werden so dermaßen aus der Gesellschaft ausgeschlossen, für die sie diesen Job tun, dass sie nicht einmal sichtbar sind. Sie dürfen oft nicht aus dem gleichen Brunnen trinken und auch in Tea shops gibt es neben der Glasgläser auch Metallgläser für die „Untouchables“. Sie dürfen nicht in einen Tempel rein, selbst wenn sie Hindus sind oder dürfen nicht die gleichen Straßen benutzen. Und obwohl diese Arbeit oder „Dry Toilets“ an sich verboten sind, entzieht sich doch vieles den Behörden, die auch einfach grundlegende Dinge nicht durchsetzen. So arbeiten viele „Manual Scavengers“ auch für die indische Regierung.

Mit dem Wissen hab ich noch einmal ganz anders auf diese ganze Problematik geschaut. Von menschlicher Würde kann man bei dieser Arbeit nicht sprechen und das erklärt so viel. Zum Beispiel ist es ein Faktor für das Alkoholproblem unter diesen Bevölkerungsgruppen und eben davon, dass die Leute nicht gewöhnt sind, dass man ihnen Aufmerksamkeit schenkt, aber dies unglaublich wichtig ist. Andererseits auch, warum Tanzen und Singen so eine wichtige Rolle unter den Dalits spielen (insgesamt in der indischen Bevölerung). So bekommen sie nämlich Aufmerksamkeit innerhalb ihrer sozialen Gruppe/Familie und können etwas ausgleichen.

Klar, das sind jetzt nur Erklärungsansätze und Interpretationen. Aber für uns ist es einfach unvorstellbar in diesem Horizont, der sich darauf beschränkt, aufzuwachsen oder nur zu sein.

Naja, jetzt habe ich mich sehr in diesem Thema verloren…

Es ist nämlich schon schwer all das zu wissen und zu lernen und wieder in dieser Gesellschaft „festzusitzen“ zwischen all dem Luxus und Konsum, um den man irgendwie nicht herum kommt.

Zumal ich gerade während Corona das Privileg eines sehr schönen Sommers hatte, ich ausziehen konnte, studieren kann und mir keine großen Sorgen über Geld machen muss.

Ich freue mich jedenfalls einen Weg gefunden zu haben, wie ich zwischenzeitlich während meines Studiums mein Engagement weiter führen kann und werde da weiter machen, wo jetzt das erste Geld nach Indien gegangen ist.

Es sind nämlich zwei weitere Plakate in Arbeit, die bald gedruckt und zu verschicken sind und was sehr schön ist, meine Reichweite mit dieser Aktion scheint gerade etwas zu wachsen.

Alle Informationen zu den Details dazu findet ihr auf der Seite „aktiv werden“ (https://hannah.fsj-indien.de/?page_id=265) auf meinem Blog, aber ihr könnt mich auch sehr gerne persönlich kontaktieren.

Inzwischen könnt ihr meinen Blog auch sehr gerne abonnieren, denn da ich Indologie studiere werde ich wohl noch einiges über Indien aus meiner Perspektive zu erzählen haben und diesen Blog auch weiterhin nutzen um die Neuigkeiten über die laufende Aktion bekannt zu machen (wer sicher gehen, will, dass man alle Neuigkeiten erfährt, der sollte mir aber persönlich schreiben, weil ich noch nicht ganz weiß, ob die Mailing Liste funktioniert).

Liebe Grüße an alle,

Ich freu mich von euch zu hören!

Eure Hannah

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